Ältere Immobilien - Höhere Abschreibung für Häuser möglich

Vermieter können ihr Gebäude über mehrere Jahre steuerlich abschreiben. Die Dauer kann verkürzt werden, wenn ein Gutachten vorliegt. Was für ein Gutachten muss das sein?

Wer einen Altbau kauft und das Haus zu Wohnzwecken vermietet, darf die Anschaffungskosten steuerlich abschreiben. Anerkannt werden vom Finanzamt jährlich 2 Prozent. Bei Gebäuden, die vor 1925 fertiggestellt wurden, sind es 2,5 Prozent.

Denn der Gesetzgeber unterstellt für ein Gebäude eine Nutzungsdauer von 50 beziehungsweise 40 Jahren. Ist die tatsächliche Nutzungsdauer kürzer, kann aber eine schnellere Abschreibung mit höheren Abschreibungssätzen beim Finanzamt beantragt werden. "Doch die Voraussetzungen sind streng, und den Nachweis der kürzeren Nutzungsdauer muss der Hauseigentümer führen", erläutert Isabel Klocke vom Bund der Steuerzahler.

Sie verweist auf ein Urteil des Finanzgerichts Düsseldorf. Demnach ist der Nachweis mit einem Sachverständigengutachten möglich (Az.: 3 K 3307/16 F). Juristisch umstritten ist, um was für ein Gutachten es sich handeln muss.

Hauseigentümer können Einspruch gegen den Steuerbescheid einlegen

In dem Fall verlangte die Hauseigentümerin in ihrer Steuererklärung für ein vermietetes Gebäude eine kürzere Nutzungsdauer als die gesetzlich bestimmte. Zum Nachweis legte sie ein entsprechendes Sachverständigengutachten vor. Der Gutachter hatte die Nutzungsdauer auf Grundlage der sogenannten Sachwertrichtlinie ermittelt. Das Finanzamt forderte hingegen ein Bausubstanzgutachten von der Immobilienbesitzerin.

Das Finanzgericht Düsseldorf sah in dem vorgelegten Gutachten zwar einen hinreichenden Nachweis. Allerdings wurde gegen das Urteil Revision beim Bundesfinanzhof (BFH) eingelegt, sodass die Entscheidung noch nicht rechtskräftig ist (Az.: IX R 25/19). Hauseigentümer können in ähnlichen Fällen Einspruch gegen den Steuerbescheid einlegen und das Ruhen des Verfahrens beantragen. "Zur Begründung sollte das Aktenzeichen beim Bundesfinanzhof genannt werden", rät Klocke. Dann bleibt der eigene Fall bis zu einer Entscheidung des Gerichts offen.

 

Quelle: www.n-tv.de

 

Weiterlesen …

Bundesfinanzhof: Wohnrecht schützt nicht immer vor Erbschaftssteuer

Wer eine Immobilie an seine späteren Erben verschenkt, kann Steuern sparen. Doch das klappt nicht in jedem Fall, wie jetzt ein wichtiges Gerichtsurteil zeigt.

Die Steuervergünstigung für ein geerbtes Familienheim geht verloren, wenn der überlebende Ehe- oder Lebenspartner es früher als nach zehn Jahren verkauft oder verschenkt. Das gilt selbst dann, wenn die Mutter das Heim an ihre Tochter verschenkt und sich ein lebenslanges Wohnrecht vorbehält, wie der Bundesfinanzhof (BFH) in München in einem am Donnerstag veröffentlichten Urteil entschied. Der Fall trägt das Aktenzeichen II R 38/16.

Im entschiedenen Fall war der Mann 2013 gestorben. Seine Frau war Alleinerbin und erbte unter anderem den hälftigen Anteil des Mannes am gemeinsamen Einfamilienhaus. Wegen einer gesetzlichen Vergünstigung blieb das hälftige Haus bei der Berechnung der Erbschaftsteuer unberücksichtigt.

Laut Gesetz entfällt die Vergünstigung, wenn der überlebende Ehe- oder Lebenspartner „das Familienheim innerhalb von zehn Jahren nach dem Erwerb nicht mehr zu Wohnzwecken selbst nutzt“ - außer, er ist „aus zwingenden Gründen an einer Selbstnutzung zu eignen Wohnzwecken gehindert“.

Hier schenkte die Frau 2014 das Haus ihrer Tochter, behielt sich aber ein lebenslanges Wohnrecht vor. Das Finanzamt war der Auffassung, dass dadurch die Steuervergünstigung für die Mutter rückwirkend entfallen ist und forderte Erbschaftsteuer nach.

Dem ist nun auch der BFH gefolgt. Der Gesetzgeber habe die Bildung von Wohneigentum durch die Familie fördern wollen. Deshalb könne die Steuerbefreiung nur derjenige überlebende Ehegatte oder Lebenspartner in Anspruch nehmen, der Eigentümer der Immobilie wird und sie selbst zum Wohnen nutzt.Werde nur eine dieser Voraussetzungen, das Eigentum oder die Selbstnutzung, ohne zwingende Gründe aufgegeben, entfalle die Steuervergünstigung rückwirkend, urteilte der BFH. „Andernfalls könnte eine Immobilie steuerfrei geerbt und kurze Zeit später weiterveräußert werden. Dies würde dem Förderungsziel zuwiderlaufen.“ Dafür spreche auch die Formulierung „Selbstnutzung zu eignen Wohnzwecken“.

 

Quelle: FAZ online 28.11.2019

Weiterlesen …